Zwerge


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Zwerge

Beitrag#1von Helmut » Sonntag 18. Oktober 2009, 14:44

Zwerge (oder Dawi, wie sie sich selbst nennen) sind ein ganz prinzipiell ehrliches und ehrenwertes Volk, mit deutlichem Hang zur Sturheit und zu klaren und eher schnörkellosen Worten. Die Ehre eines Zwerges anzuzweifeln ist ein ziemlich effektiver Weg, sich viel Ärger einzuhandeln, da den Zwergen Dinge die ‚bleiben’ (ihre Werke, ihre Kunst, aber eben auch ganz besonders ihre Ehre und ihr Ruf) buchstäblich über alles gehen, weswegen sie auch nahezu alles tun würden, um diesen zu erhalten, zu pflegen und zu verteidigen. Dabei ist der Zwerg aber nicht nur seiner Umgebung, seinem Klan und seinen Ahnen verpflichtet, sondern auch sich selbst, weshalb sich kein Zwerg unehrenhaft verhalten würde, nur weil keine Zeugen anwesend sind.

Zwerge haben ein äußerst gutes Gedächtnis und vergessen buchstäblich nichts, das wichtig ist, oder es sein könnte. Dies bedeutet nicht, dass sie ein photographisches Gedächtnis haben, aber Freundschaftsdienste, Beleidigungen und Entehrungen sind bei ihnen auch nach 50 Jahren noch so präsent, wie am ersten Tag. Für ‚längerfristige’ Angelegenheiter werden ‚Bücher des Grolls’ geführt, in denen alle Schulden (in Ehre oder in Blut), die ein Klan oder eine Familie noch einzufordern haben verzeichnet sind. So kann es passieren, dass man von einem Zwerg dafür verachtet (oder gar gefordert) wird, dass der eigene Urahn einst vor Jahrhunderten den Großvater des Zwerges in einem Kampf im Stich ließ.
Das positive Gegenstück sind die ‚Sagas’, alte und schier endlose Heldenepen, die über Jahrhunderte und Jahrtausende Wort für Wort und ohne jede Änderung (abgesehen von Ergänzungen neuer Taten) weitergegeben wurden. Nicht wenige Zwergenfamilien werden noch in der Gegenwart für die Taten von Ahnen geehrt, die vor Jahrtausenden Eingang in die Sagas gefunden haben.

Ein Zwerg lügt nur äußerst ungern und nur im absoluten Notfall (z.B. im Rahmen einer Kriegslist, nicht aber um ein besseres Geschäft zu machen) und gibt sein Wort nur sehr widerwillig, da es absolut bindend ist, sowohl für ihn selbst, als auch für jene, die wiederum ihm verpflichtet sind.

Hinter jedem Zwerg steht ein langer Stammbaum ehrlicher und heldenhafter Vorfahren und Ahnen, denen der Zwerg ebenso verpflichtet ist, wie seinen lebenden Verwandten. Wenn er sich entehrt, entehrt er auch sein Blut und damit gleichsam seine Vorfahren. Dieser Verantwortung ist sich ein Zwerg stets bewusst und sie kann eine große Bürde sein.

Zwerge neigen eher zur Unter- als zur Übertreibung, da Prahlerei ehrrührig ist, während das Lob anderer als großes Kompliment gilt. Ein grimmer Zwergenrecke wird vermutlich selbst in Bierlaune den gewaltigen Kampf mit einem Dutzend Schwarzorks als ‚kleine Keilerei mit ein paar schmächtigen Grünhäuten’ abtun, um dann stolz und gerührt (und mit ein paar gelegentlichen Stichworten) seinen Gefährten zuzuhören, die ihre und seine Heldentaten preisen. Dabei kann es dann aber auch passieren, dass sich besagter Zwerg hinterher seine Gefährten ‚freundschaftlich’ zur Brust nimmt, wenn diese Dinge ausgelassen haben, die ihm bei der Geschichte wichtig gewesen wären.

Zwerge haben große Seelen, feiern gern und laut und auch wenn sie als gefühlskalt gelten, scheuen sich in angemessener Umgebung (also nicht vor Fremden) auch nicht, ihre Gefühle zu zeigen. Über gute Witze wird grölend gelacht (wobei der trockene und zuweilen beißende (aber so gut wie nie ironische) Zwergenhumor eine gänzlich eigene Sache ist), Siege werden zünftig begossen, und gefallene Kameraden (bei angemessener Gelegenheit) ohne jede falsche Scham laut und offen beweint. Dabei kommt es allerdings (trotz gelegentlich gegenteiliger Eindrücke ihrer Umgebung) nur höchst selten vor, dass sich Zwerge bis zur Oberkante zuschütten, da sie dann nicht mehr Herr ihrer selbst sind und eventuell ehrrührige Dinge tun könnten, die sie hinterher bereuen würden und müssten.
Ein entehrter Zwerg ist eine absolut tragische Figur, da es für Zwerge keinen ‚Weg zurück’ gibt. Verlorene Ehre ist und bleibt verloren, da bei ihrem Volk nichts vergeben und nichts vergessen wird.

Ein entehrter Zwerg stürzt entweder absolut ab (und endet in irgendeiner Gosse), oder er - und das ist das Üblichere - wählt den Weg des Slayers, wobei ein Slayer kein tumber Prolet mit Axt und ewiger Bierfahne ist, sondern eine absolut tragische Gestalt, die nur noch den Tod im Kampf sucht (nicht um sich reinzuwaschen, sondern damit sein ‚verschwendetes’ Leben zumindest irgendeinen Sinn hatte), möglichst gegen Feinde oder Kreaturen, bei denen sein Volk noch ‚Ehrenschulden’ einzutreiben hat. Das mit dem eigenen Namen verbundene Auslöschen eines Eintrages in den ‚Büchern des Grolls’ ist das höchste, was ein Slayer noch zu erlangen suchen kann, denn es stellt eine letzte ehrbare (und zudem beachtenswerte) Tat dar (zumal wenn es über einen Platz in den Sagas doch noch ein Stück Unsterblichkeit bedeutet). Slayer sind für ihr Volk normalerweise gleichsam ‚tot’, sie werden weder bewundert noch freudig begrüßt, sondern eher verachtet oder gar gänzlich ignoriert. Selbst ihre größten Heldentaten werden mit einem Achselzucken abgetan, auch wenn der Familie des Entehrten im Stillen doch ein wenig das Herz aufgehen mag, wenn das verlorene Kind einen letzten großen Sieg erringen konnte. Dennoch würden Slayer niemals wissentlich gegen die zwergischen Ideale verstoßen. Sie sind in vielem extremer, also rauflustiger, trinkfester und deutlich aggressiver, aber auch sie würden nichts tun, das sie (und damit ihre Familie, ihren Klan und ihre Ahnen, auf die es ebenfalls zurückfällt) noch weiter entehrt.

Zwerge sind nicht gierig, auch wenn sie gelegentlich in diesem Ruf stehen. Die berüchtigte Goldgier der Zwerge ist zwar mehr als nur ein Mythos, denn Zwerge schätzen Gold als einen ihrer bevorzugten Werkstoffe, aber für Gold allein würden Zwerge keine Kriege anzetteln, auch wenn man Elfen anderes sagen hört. Die Legenden über die angeblich beispiellose Gier der Zwerge rühren daher, dass Zwergen ihr Besitz sehr wichtig ist, denn er ist ein Gradmesser für den Erfolg eines Zwerges, einer Familie oder eines Klans und zudem oft sehr alt und mit Erinnerungen und Legenden verbunden. Verlorene Schätze stellen gleichsam verlorene Ehre dar, und wenn ein Zwerg von einem wildfremden Menschen wutentbrannt ein goldenes Schmuckstück aus menschlicher Fertigung fordert, dann weniger weil er toll oder gierig ist, als vielmehr weil er an der Farbe der Legierung erkannt hat, dass es sich um geraubtes Zwergengold handeln muss. Es ist eher die oft sehr reale Goldgier der Menschen, in deren Folge es zu mutmaßlichen Exzessen in Sachen ‚Zwergischer Goldgier’ kommt. Kein Zwerg würde von sich aus Rauben oder Stehlen, denn das wäre unehrenhaft, aber was seinem Volk gestohlen wurde, das wird immer Eigentum seines Volkes bleiben und er wird vehement dessen Rückgabe verlangen.

Die Goldmagier haben Theorien über einen besonderen Bezug der Zwerge zum Gelben Wind Chamon, der die Affinität der Zwerge zum Gold erklären würde (ebenso wie ihre alchemistischen Fähigkeiten und ihre Runenmagie), aber das Volk von Stein und Stahl weist solche Mutmaßungen als völlig abwegig von sich, was wohl auch daran liegen mag, dass ihnen das ganze Thema Magie nicht geheuer ist. Sie selbst verfügen über die Magiesensitivität von Pflastersteinen und ginge es nach ihnen, dann sollte das auch bei Elfen und Menschen so sein. Dies ist wohl auch einer der Gründe dafür, dass Zwerge sich damit schwer tun, Zauberern zu trauen. Diese gelten als unzuverlässig, stehen stets dicht am Chaos und sind überhaupt ‚seltsam’ - und dass sie bei ihrem mystischen Gefuchtel Worte in einer Sprache intonieren, die irgendwie verdächtig nach der Zunge der Elfen klingt, das macht die Sache auch nicht unbedingt besser!

Zwerge lieben generell alles, was sich bearbeiten lässt und von Dauer ist, also alle edlen Metalle, Stahl, Stein und Juwelen. Holz ist für sie nur als Brennstoff und bestenfalls als Provisorium zu gebrauchen, denn es hat keinen Bestand.

Zwerge neigen nicht zu lautstarken Dankesbekundungen, was ihnen den Ruf eingebracht hat, dass sie undankbar seien. Meist besteht ihr Dank nur aus einem knappen Nicken, dem dann aber (und sei es erst nach Jahren) große Taten folgen, wenn derjenige, dem sie etwas ‚verdanken’, irgendwann einmal Hilfe braucht. Die wahre Freundschaft eines Zwerges ist nur schwer zu erlangen, aber wenn man von einem Zwerg ‚Freund’ genannt wird, dann ist dies mehr als nur ein Phrase. Zwerge vergessen ihre Freunde buchstäblich nie (nur ihre Feinde vergessen sie noch seltener…), auch nach Jahren oder gar Generationen nicht. Man hörte schon von verarmte Menschenfamilien, die anonyme Zuwendungen von Zwergen erhielten, deren Väter einst gemeinsam mit einem menschlichen Ahn der betreffenden Familie gefochten hatten. So etwas würden Zwerge niemals öffentlich tun, denn sie würden fürchten die Empfänger damit zu beschämen und entehren. Untereinander halten sie es ähnlich, wobei es da weniger zu anonymen Spenden, als vielmehr zu indirekter Unterstützung kommt. Zwerge helfen einander, zumal im eigenen Klan, auch wenn sie kein Aufhebens oder großes Getue darum machen. Ein völlig mittelloser Zwerg, ist etwas höchst seltenes, denn das bedeutet üblicherweise, dass er keine zwergischen Freunde hat, die ihm beistehen würden.

Zu den Menschen des Imperiums hegen die Zwerge enge und alte Bande von Treue und Waffenbrüderschaft. Die alten Eide der Freundschaft sind für die Zwerge heute noch immer so präsent und gültig, wie am Tag nach der Schlacht am Nachtfeuerpass. Das diese Dinge den meisten Menschen derweil ziemlich egal sind, stellt für die Zwerge eine subtile und nahezu allgegenwärtige Beleidigung dar, aber es ändert nichts an ihrer Verpflichtung. Viele Zwerge (zumal außerhalb der Städte der Menschen) betrachten die Menschen des Imperiums mit einer gewissen Bitterkeit. Über Jahrhunderte haben sie die Alte Welt beschützt, denn das Böse (in Form von Chaos und Grünhäuten) hielt erst Einzug, als die alten Festen und Wehrstädte des Volkes von Stein und Stahl gefallen waren. Danach waren sie es, die den Bronzewaffen-schwingenden Nomaden den Stahl, die Baukunst und das Schießpulver gebracht haben. Viele Zwerge werden das Gefühl haben, dafür (auch nach Jahrhunderten) noch eine gewisse Dankbarkeit zu verdienen, ähnlich wie Eltern, die ihre Sprösslinge als undankbar, flegelhaft und zuweilen etwas missraten empfinden.
Ein Geist ohne Bestimmung wandelt auf dunklen Pfaden.
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Helmut
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